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Glasmalerei - eine situative Momentaufnahme zum Thema Restauration
geschrieben von: glass art (IP bekannt)
Datum: Donnerstag, 21. Mai. 2009 09:31 Uhr

von Glasmaler-Restaurator Martin Halter


Die in der Gegenwart überproportionale Einflussnahme einer wissenschaftlichen Doktrin, zur Sicherung und Rettung schadhafter Glasmalerei widerspricht dem Anspruch, sich diesem Themenbereich ernsthaft und effizient annehmen zu wollen. Weitgehend wurden die Konservatorischen Richtlinien zu Restaurationsmassnahmen bei Glasmalereien von Exponenten der Wissenschaft aufgestellt. Genau betrachtet erschöpfen sie sich in manch widersprüchlichen Punkten darin, je nach Bedarf vorliegender Sachverhalte, diese subjektiv und beliebig zitieren zu können. Was erfahrungsgemäss den Ablauf einer Überarbeitung von geschädigter Glasmalerei zufällig einmal positiv, einmal negativ - mit beeinflussen wird. Umso mehr der Stellenwert einer rein wissenschaftlichen Aussage in unserer Gesellschaft weit höher gewichtet wird, als die Stellungnahme eines, an vorderster Front engagierten Glasmaler-Restaurators. Solche Situationen führen zu ungewollten Machtkämpfen zwischen zweier Auffassungen, was der Original-Substanz in vielen Fällen überhaupt nicht abträglich sein kann. Eine gleichwertige Respektierung beider Seiten, die der Wissenschaft und die des Praktikers, bringt einer gefährdeten Glasmalkunst eindeutig mehr Vor- als Nachteile. Wahrscheinlich eine typische Zeiterscheinung, - bleibt uns wohl dieses zwischenmenschliche Phänomen noch einige Jahre erhalten.

Viele Exponenten der Historischen Wissenschaft, unterschätzen und verdrängen aktuell, den ursprünglichen Stellenwert einer verarbeitungstechnisch seriösen Umsetzung auf diesem Gebiet. Für die Aufgabenerfüllung von Sicherungs- und Sanierungsmassnahmen an gefährdeter Glasmalerei. In jüngster Zeit bestimmt sie zunehmend autonom, was an schadhaften Glasgemälden umzusetzen ist und was nicht. Ihre subjektive Vorstellung geht davon aus, wider jeglichen anderen Vorbehalten, sich bloss auf ein paar unverbindliche Eingriffe beschränken zu können. Demnach, wenn überhaupt ein Anlass dazu besteht, bloss ausgerüstet mittels ein Paar schützender Handschuhen, Pipetten, Pinzetten, Hybrid-Kunststoffprodukten und etwas gesondertes Reinigungsmaterial aufzuwarten. Um dann bei Kirchenfenstern oder Glasgemälden aktiv zu werden. In der festen Überzeugung, für die kommende Generationen dieses Kulturerbe etwas zu hegen, pflegen und sichern zu können. Aber beiläufig, keine Rechenschaft über ihr rudimentäres Verhalten ablegen möchte. Was eigentlich im Widerspruch zur vehementen Verteidigung einer glaubwürdigen Substanz-Erhaltung steht.- Dass dadurch, die zum Glasmalerhandwerk gehörenden Aspekte einseitig, nach und nach ganz ausgegrenzt werden, nimmt man kaum erst zur Kenntnis. Obschon diesem Kunsthandwerk eine ganzheitlich, spezifisch feinmotorische Ausrichtung obliegt. Dieser Realität verschliesst man sich zusehends mehr aus fadenscheinigen Gründen. Vielleicht will man sich den Freiraum der eigenen Identität auf diese Weise bewahren?

Noch stünden freie Kapazitäten zur Verfügung, sich die langjährigen Erfahrungen einiger Glasmaler-Ateliers als Dienstleister zum Nutzen zu machen. Aber leider, bestätigt sich einmal mehr die Tendenz, dass die Distanzierung zur Ausübung seltener Kunsthandwerke wohl immer grösser wird.

Die vorgenannten, wissenschaftlichen Sachverständigen stellen eine solche zunehmende Entwicklung natürlich in Abrede. Sie tun sich sehr schwer damit, sich ihre Schwächen in dieser Beziehung einzugestehen. Nicht erkennen zu wollen, dass es ohne Einbezug äusserst sensibilisierter Glasmaler, mit langjähriger Erfahrung, kaum zu machen ist. Das Kulturerbe der Glasmalerei gewissenhaft in Stand halten zu können. In ihrer isolierten Gedankenwelt, stellen sich einige Historiker vor, irgendwann einen gefügigen Glasmaler-Handlanger vertraglich verpflichten zu können, um sich zu passender Gelegenheit, die "Glasmaler-Krone" gleich selber aufsetzen zu können.

Als äusserst sensibler Glasmaler und Kunstglaser mit über 40jähriger Berufserfahrung, kann ich mich dazu bekennen, einer Zusammenarbeit mit wissenschaftlicher Begleitung zu zustimmen, sofern das Augenmass beider Parteien gleichauf, die Interessen der Original-Substanz vertreten kann.





1 mal bearbeitet. Zuletzt am 22.05.2009 22:15.



Thema geschrieben von Datum/Zeit
Glasmalerei - eine situative Momentaufnahme zum Thema Restauration glass art 21.05.2009 09:31


 
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